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Die Relevanz persönlich-professioneller Beziehungen in der politischen Jugendbildung

Wie persönlich muss die Beziehung zwischen Professionellen und Jugendlichen sein, damit politische Jugendbildung gelingt? Diese Frage wurde in den letzten Jahren vergleichsweise selten reflektiert. Dabei sind gerade personale Bezüge eine sehr tragfähige Brücke, über die Fachkräfte die Zugänglichkeit vieler politischer Themen wirksam sicherstellen können. Diese Erkenntnis ist allerdings keineswegs neu, sie hat eine längere historische Dimension.

Politische Bildung erfordert – wie Bildung generell – eine besondere Vermittlungsintensität und ein besonderes Vermittlungsgeschick von Fachkräften – und vermutlich sogar eine Akzentverschiebung weg von Vermittlung und hin zu personenbezogener Animation.


Persönlich-professionelle Beziehungen

Bei der Vermittlung von Inhalten in der politischen Bildung ergibt sich ein grundsätzlicher Zielkonflikt, der eine lange Historie hat und der bspw. schon im für den hier aufgerufenen Themenaspekt sehr produktiven Zeitraum der 1970er und 1980er Jahren intensiv diskutiert wurde (vgl. Brenner 1981: 12). Besonders unter dem Einfluss von entsubjektivierenden Bildungsinstitutionen und politischer Steuerung von Bildung, welche die Erlebniswelten der Subjekte allzu oft nivelliert, hat es immer wieder Bestrebungen zu einer Didaktisierung, Lernzieloperationalisierung und zu sonstigen Vorplanungen von Bildungsprozessen gegeben. Die persönlichen Entfaltungsspielräume jugendlicher Subjekte haben solche Prozesse meist eingeschränkt. Jugendliche hatten und haben dann oft das Gefühl, ihre Erfahrungs- und Lernräume würden „von oben gleichsam ‚besetzt‘, worauf manche immer wieder mit ‚Untertauchen‘ oder ‚Flucht‘ reagiert“ haben (ebd.: 11). Für die politische Jugendbildung, in der Jugendliche – wie in der Jugendarbeit insgesamt – meist ihre eigene Selbstwirksamkeit tastend entfalten und ausweiten möchten, kann das kein gutes Vorzeichen sein.

Nimmt man das Ziel einer Verstärkung von Selbstwirksamkeit Jugendlicher in den Blick, dann ist in Bildungsprozessen auch das Verhältnis von Analyse und handlungsanregender Kreativität in den Blick zu nehmen, und zwar sowohl bezogen auf Jugendliche als auch auf pädagogische Fachkräfte der politischen Bildung. In der Alltagspraxis „steht Kreativität oft nicht im Mittelpunkt; immer wieder verschwindet sie hinter einer Monokultur des Analytischen“ (Brenner 2005: 235). Damit wird der subjektive Faktor in Bildungsprozessen entwertet.

Einige alternative Konzepte der politischen Bildung sehen dagegen vor, dass pädagogische Fachkräfte sich selbst in der Arbeit mit Jugendlichen als subjektiven Faktor handlungswirksam ein­bringen und dabei ihren Vorsprung an kognitivem und prozeduralem Wissen eher in den Hintergrund treten lassen. In den 1980er Jahren wurde z. B. mit einer solchen Zielsetzung bei unseren fran­zösischen Nachbarn der Begriff der animation existentielle (vgl. Deutsch-Französisches Jugendwerk) geprägt. Damit wurde…

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Der Autor

Dr. Gerd Brenner, lange Jahre Lehrer an einem Gymnasium, Moderator in der Lehrerfortbildung und (Mit-)Autor führender Lehrwerke für weiterführende Schulen, ist leitender Redakteur von "deutsche jugend – Zeitschrift für die Jugendarbeit", außerdem Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses und Ratsherr der Stadt Mönchengladbach.