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Demokratie fühlen: Der Betzavta-Ansatz als Antwort auf gesellschaftliche Spaltung

Der Druck auf die politische Bildung, Orientierung zu geben, wächst. Angesichts multipler Krisen, erstarkender neurechter Akteur*innen und zunehmender Verunsicherung stellt sich die Frage, wie Demokratie beschrieben und verteidigt werden kann. Es braucht Bildungsräume, in denen gesellschaftliche Spannungen nicht nur ­verstanden, sondern erlebt und bearbeitet werden. Genau hier setzt der Betzavta-Ansatz an.

Deutschland, so scheint es, sitzt im Wartezimmer. Die Diagnose ist noch unklar. Verdacht auf: eine verunsicherte, emotional aufgeladene Gesellschaft, erschüttert von multiplen Krisen – ökologisch, politisch, sozial. Demokratische Systeme und Werte sind in Gefahr. Ursachen gibt es viele. Die Analysen, wie es so weit kommen konnte, reichen Jahrzehnte zurück. In dieser Situation ist das Bedürfnis nach Orientierung – nach Behandlung – groß. Eine Diagnose allein heilt jedoch nicht. Sie beschreibt, analysiert, lokalisiert, rüttelt auf, aber sie verändert erst einmal im Grunde genommen nichts. Was also sind die passenden „Behandlungsmaßnahmen“ für eine Gesellschaft, in der sich Misstrauen, Überforderung und Ohnmacht breitmachen? Und welche Antworten hat die politische Bildung?

In diesem Artikel möchten wir unsere Erfahrungen aus der Praxis mit erfahrungsorientierten Ansätzen, konkret mit dem Betzavta-Ansatz (Methode des Adam-Instituts) vorstellen. Wir möchten beleuchten, was die Stärken von erfahrungsorientierten Methoden wie dieser in der politischen Bildung sind.


Wissensgesellschaft ohne Wirkung

In sozialen Netzwerken, auf News- und Diskussionsplattformen findet man unendlich viele Nachrichten, Informationen und Meinungen aller Art – manchmal auch mit zweifelhaftem Wahrheitsgehalt. Nie zuvor war der Zugang zu Wissen so umfassend, so unmittelbar und so kollektiv. Und dennoch: Wissen allein macht uns nicht resilienter, nicht handlungsfähiger, nicht demokratischer. Politische Bildung, die sich auf reine Informationsvermittlung verlässt, stößt hier an ihre Grenzen. Wer heute „Demokratie lernt“, braucht mehr als Definitionen und Fakten. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Der Schweizer Pädagoge, Schulreformer und Philosoph Johann Heinrich Pestalozzi (1746–1827) prägte das erzieherische „Kopf-Herz-Hand“-Modell. Damit sind bei ihm intellektuelle, sittlich-religiöse und handwerkliche Kräfte gemeint. Dieses Zusammenspiel sei notwendig, um wahre „Menschlichkeit“ zu entwickeln (vgl. Pestalozzi International n. d.: 10 f.).

Übertragen und vereinfacht, bedeutet dies für heutige Bildungskontexte, dass die Gesamtheit eines Menschen anerkannt werden muss, um nachhaltiges Lernen zu gestalten. Denn in einer emotionalisierten und handlungsunfähigen gesellschaftlichen Stimmung braucht es auch emotionale und handlungsbefähigende Ebenen des Lernens.


Vom Wissen zur Erfahrung

Im non-formalen Bildungsbereich wird dies im…

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Die Autorin

Lisa Teresa Gut ist Trainerin für Betzavta – Methode des Adam Institutes Israel, Trainerin für Human Rights ­Education (Council of Europe) und ausgebildete Clownin (TuT Hannover). Außerdem arbeitet sie als Moderatorin und Seminarleiterin. Sie studierte Kultur- und Medienpädagogik (B.A) an der HS Merseburg und Erziehungs- und ­Bildungswissenschaften (M.A) an der Uni Bremen.

Der Autor

Matthias Feuerstein arbeitet in der Programmbereichsleitung für gesellschaftspolitische Bildung bei der Akademie Burg Fürsteneck e. V. in Osthessen. Er ist Diplom Jurist (Univ.), staatlich anerkannter Sozialpädagoge (B.A), Sozialmanager (M.A.) und freiberuflicher Supervisor (DGSv).